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Calçotada

Freitag, 20. März 2009

So, jetzt erst mal ein paar Beiträge über schönere Dinge, insbesondere über das letzte Wochenende (ja, ich bin etwas in Verzug, was das Schreiben angeht). Letzte Woche am Freitag kam der Michi zu Besuch, der zuvor noch verschiedene andere spanische Städte bereist hatte. Ich konnte mit ihm gleich eine besondere katalanische Tradition erleben, nämlich eine sogenannte Calçotada! Albert aus unserem Institut hatte nämlich herumgefragt, wer denn alles mitkommen möchte, und ich habe den Michi gleich dazu mitgenommen.

Eine Calçotada ist ein katalanisches Festmahl, wobei es wohl eher einer Schlacht gleichkommt. Calçots sind eine Variante der Lauchzwiebel, die laut den Einheimischen nur hier in Katalonien wächst. Diese werden dann gegrillt, bis sie außen völlig verkohlt sind. Wenn man aber die äußeren Schichten der Calçot geschickt abzieht, sind sie innen dann schön saftig und zart. Und vor allem weniger scharf, wie man es erwarten würde, sondern eher süß. Das Innere tunkt man dann in Unmengen von Romesco-Sauce, und verschlingt es in der Manier eines Schwertschluckers am Stück. Dementsprechend sah dann auch die Schutzausrüstung aus, an jedem Platz gab es einen riesigen Papierlatz sowie Plastikhandschuhe zum Abziehen der Zwiebeln.

Michi mit Latz und Hunger
Michi mit Latz und Hunger

Der Latz war aber nicht nur gut gegen die Romesco-Sauce, sondern auch gegen den Wein. Denn der Wein, natürlich Rotwein, wurde nicht in Gläsern serviert, sondern in sogenannten Porrons, die speziell geformt sind. Von der Form her erinnern sie an eine Gießkanne, und im Prinzip trinkt man auch aus diesen so. Denn das dünne Gießende wird dabei zum Mund geführt, und nun muss man das Gefäß schnell kippen, damit der Strahl in den Mund trifft. Dies erfordet wirklich einiges an Geschick und Übung (natürlich auch nicht zu viel Übung), um dies wirklich zu beherrschen. Aber auch der älteste Katalane in unserer Gruppe musste einmal fürchterlich aufhusten, da er wohl den Strahl dann wohl wortwörtlich in den falschen Hals bekommen hatte. Jedenfalls war das ein Heidenspaß und eine Riesensauerei!

Calçots, Romesco-Sauce und ein Porron voller Wein
Auf den ersten Blick sehen die Calçots nicht besonders lecker aus…

Zu den Calçots gab es dann Pa amb Tomàquet – geröstetes Brot, das mit Tomaten und Knoblauchsoße bestrichen wurde. Eigentlich war ich dann nach zwei Dutzend Calçots schon gut gesättigt, jedoch gab es zu meiner Überraschung noch einen zweiten Gang. Dies ist hier generell so üblich, so gibt es beispielsweise auch in der Mensa zwei Gänge, aber ich hab das noch immer nicht so richtig verinnerlicht. Der zweite Gang waren dann alle mögliche Sorten gegrillten Fleisches von Blutwurst (das gibt es nicht nur in Bayern) über Lammschulter, Hähnchen, Schweinerücken bis zu gegrilltem Hase (mit Kopf) gab es alles Mögliche, dazu Pommes als Beilage.

Die Gruppe beim Festmahl
…aber (fast) alle haben den Hals nicht voll genug kriegen können.

Und als ob das nicht genug gewesen wäre, gab es zum Nachtisch noch Creme Catalan. Das ist im Prinzip das Gleiche wie Creme Brulee, nur mit Zimt statt Vanille. Da musste ich noch zusätzlich zwei halbe Portionen extra vertilgen, da so mancher schon randvoll war und den Nachtisch nicht mehr geschafft hat. Das war ich dann nach über drei Stunden Essen schließlich auch. Dass die Gruppe an diesem Freitag Nachmittag noch viel Produktives zustandegebracht hat, darf durchaus bezweifelt werden.

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