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Anti-Bologna Proteste in der Innenstadt

Donnerstag, 19. März 2009

Ehrlich gesagt bin ich ziemlich entsetzt. Ich dachte, die Proteste letzte Woche wären schon sehr extrem gewesen. Gestern ging es aber dann so richtig los in der Innenstadt. Yuvor habe ich aber nichts davon so richtig mitbekommen, es gab zwar neue Transparente mit dem 19. März als Datum in der Universität, aber irgendwie dachte ich wohl, dass der Höhepunkt schon überschritten sei, und das vielleicht irgendwelche kleineren Aktionen in der Universität sein sollten. Ein bisschen gewundert hab ich mich dann schon, dass in der Universität dann nix los war, und dann hatte ich es auch schnell wieder vergessen.

Ich blieb am Abend etwas länger in der Uni, und entsprechend erschöpft bin ich dann am Plaça de Catalunya aus der Ferrocarrils ausgestiegen. Normalerweise laufe ich immer zur Station Urquinaona, um von dort mit der Metro zur Station Barceloneta direkt vor meiner Haustür zu fahren. Ich wollte aber anstelle der üblichen Pendelei mal wieder durch die Innenstadt spazieren, um das Flair der Altstadtgassen zu geniessen.

Beim Spaziergang ist mir dann bis auf einen merkwürdig kreisenden Polizeihubschrauber nichts besonderes aufgefallen, bis ich zur Via Laietana gelangt bin. Dort gab es an beiden Enden der Straße Polizeiautos, aber es war noch so weit weg, so dass man nicht erkennen konnte, was denn dort los war. So wollte ich ein bisschen näher ran, denn neugierig war ich dann schon. Gefährlich konnte es ja kaum sein, denn ich bin ja auch schließlich bis hierhin gelangt, ohne dass mir groß irgendetwas aufgefallen war.

Dann etwa auf Höhe der Kathedrale hab ich zwei Mädels auf Englisch gefragt, was den los sei. Die erklärten mir dann nur kurz „Oh, it’s the students. They are crazy!“. Und im nächsten Moment kam schon plötzlich eine Menge Studenten auf uns zu- und an uns vorbeigerannt, die Mädels rannten dann auch davon, ich wusste aber im ersten Moment so gar nicht, warum. Plötzlich schossen drei oder vier Kleinbusse der Mossos d’Esquadra, der autonomen Polizei von Katalonien, heran, und es stiegen gut ein Dutzend Polizisten in Einsatzmontur heraus, und prügelten auf die Studenten ein. Ich dachte mir, dass es wohl ungefährlicher sei, am Rand der Straße einfach stehen zu bleiben, um zu signalisieren, nichts mit den Protesten zu tun zu haben. Schließlich gab es außer mir auch viele andere Passanten, die dem furchtbaren Spektakel beigewohnt haben. Ein Polizist hat auch wild mit dem Schlagstock auf ein Mädchen eingeprügelt, die vom Aussehen eher links-autonom und damit irgendwie was mit den Protesten zu tun hatte. Trotzdem kann ja so ein Mädchen wohl kaum was gegen mit Knüppeln bewaffneten Polizisten in Schutzkleidung ausrichten, oder? Mit Selbstverteidigung hatte das nichts mehr zu tun.

Eine zusammenfassung des Abends habe ich in diesem Video auf Youtube gefunden. Das was ich gestern abend erlebt habe, ist im Video zur gleichen Zeit wie ab etwa 2:20 zu sehen, allerdings kann ich nicht genau sagen, ob das die gleiche Szene ist.

Der Innenminister von Katalonien hat heute auch eingestehen müssen, dass das Vorgehen der Polizei im Allgemeinen zu brutal war, und dass diese nicht verhältnismäßig reagiert hatte. Wie gefährlich es auch für Unbeteiligte sein konnte, zeigt dieses Video auf Youtube, bei dem ein Journalist (!) vor anderen Journalisten (!!!) ins Gesicht geknüppelt wird, die das natürlich aus allen Winkeln gefilmt und fotografiert haben. Weniger Fingerspitzengefühl geht schon gar nicht mehr!

Für die Spanischsprechenden hier noch ein paar Artikel auf http://www.elpais.com,
Batalla campal en Barcelona tras el desalojo de los encerrados en la UB,
und
Saura encarga un informe sobre la actuación policial contra estudiantes en Barcelona.

Nachdem ich unbeschadet daheim angekommen bin, patroullierten zahlreiche Mannschaftswagen noch einige Stunden um die Häuserblocks, und das Dröhnen der Polizeihubschrauber war auch noch ewig in der Nacht zu hören. Der Tag brachte über 80 Verletzte auf beiden Seiten, und sicher Dutzende Festnahmen. Entsetzliche Bilanz.