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Besuch

Sonntag, 8. März 2009

Am Faschingsdienstag hat sich mit Louis dann der erste Besuch bei mir blicken lassen. Er war in den vergangenen Wochen wandern auf der Pilgerstrecke von Montpellier nach Santiago de Compostela, und vor dem Rückflug nach Deutschland hat er mir noch einen kurzen Besuch abgestattet. Er kam mittags bei mir an, und nach einer kleinen Stärkung und einem Kaffee sind wir dann zum Park Güell aufgebrochen, um den sonnigen Spätnachmittag mit einem schönen Ausblick über die Stadt genießen zu können.

Ich im Sonnenschein

Das Wetter war wirklich hervorragend (ich war bereits mit meiner Sommerjacke unterwegs, wie man sehen kann), so dass wir uns gemütlich den Park angeschaut haben, und uns auf die Brüstung einer der Brücken des Parkes hingesetzt haben und dort dem Treiben der Papageien in den Bäumen verwundert zugeschaut haben. Dazu haben wir leckeres Keksgebäck genascht, das wir zuvor in einer Bäckerei in Gràcia gekauft hatten.

Louis beim Ausblick über die Stadt

Später sind wir dann den Berg runter nach Gràcia marschiert, und haben dort den Nachmittag in einem Kaffee auf dem Plaça de la Virreina ausklingen lassen. Auf dem Platz steht auch eine brönzerne Statue einer Frau, die jemand für den Karneval mit einer Perücke hübsch verkleidet hatte.

Ich im Sonnenschein

Die Statue scheint wirklich eine wichtige Rolle für das Leben der Leute auf diesem Platz zu spielen. Bei meinen leider unerfolgreichen Recherchen über die Identität der jungen Frau – es ist offensichtlich nicht Maria – bin ich auf einen Blogeintrag mit einem anderen sehr schönen Foto der Statue gestoßen.

Später sind wir dann erst zurück zu mir nach Hause, und dann in eine der baskischen Bars in Born gegangen. Deren Spezialität sind sogenannte Pinchos, eine Variante der Tapas, die auf Weißbrotscheiben serviert und mit Zahnstochern zusammengehalten wird. Am Ende bezahlt man die Anzahl der Zahnstocher auf dem Teller. Von überbackenem Ziegenkäse über verschiedene Varianten und Kombinationen von Meeresfrüchten, Schinken, Hartkäse und Marmeladen gab es noch Fleischbällchen, oder auch nur eine gebratene Wurst. Zum Glück war die Bar abseits all der Touristenströme, die Barcelona auch uím Winter unvermeidlich überziehen, so dass wir am Ende mit Essen und Trinken recht günstig davongekommen sind.

Am nächsten Morgen hab ich dann Louis in der Früh zur Estacio de França gebracht, da er von Barna Sants mit dem Bus zum Flughafen Reus fahren musste. Von dort ging es dann über London nach Salzburg, so dass er erst am Mittwoch in der Früh nach seiner langen Reise in München heimgefunden hatte. Wohl ähnlich müde und abgekämpft, wie die Karnevalsanhänger, die kurz nach unserer Verabschiedung mit dem Zug aus Sitges in den Bahnhof einfuhren.

Rua de la Disbauxa in Sitges

Freitag, 27. Februar 2009

Am Sonntag fand die berüchtigte Parade Rua de la Disbauxa in Sitges statt. Mit der Renfe ist Sitges etwa 40 Minuten weit entfernt, und Züge dorthin fahren direkt vor meiner Haustüre los, so dass eigentlich nichts dagegen sprach, sich dorthin auf den Weg zu machen. Da weder aber von den Kollegen noch von meinen beiden holländischen Mitbewohnern mich jemand begleiten wollten, bin ich allein und auch erst abends dorthin aufgebrochen, um mir die Parade anzuschauen. Im Zug war erstaunlich wenig los, und es gab auch sehr wenig verkleidete Karnevalsanhänger, so dass sich während der Fahrt meine Erwartungen schnell abgesenkt hatten.

Aus dem Zug ausgestiegen, hat sich das Bild aber schnell geändert: Viele Menschen, als alles Mögliche und Unmögliche verkleidet, alle auf dem Weg zur Parade. Dies sollte sich jedoch als gar nicht so einfach herausgestellen, da in jedem kleinen Gässchen Absperrungen aufgebaut waren, und Polizisten den Großteil der Innenstadt abgeriegelt hatten. Wir wurden dann vorbei an den unvermeidlichen Ballermann-Bars, aus denen laute, unerträgliche Party-House-Musik dröhnte (da merkt man doch die Abhängigkeit vom Tourismus) zur Strandpromenade geleitet. Jedoch dauerte es noch etliche Minuten, bis sich die Vorhut der Parade durch die schmalen Gassen der Innenstadt schlängelte, und noch länger bis der Rest der Parade folgte.

Die einzelnen Gruppen waren sehr farbenprächtig und ausgefallen gekleidet, jedoch fehlte eine einstudierte Choreographie wie am Samstag zuvor in Barcelona. Ich hatte den Eindruck, dass die Teilnehmer vor allem selbst Spaß haben wollten, und da war es eben mitunter wichtiger, Alkohol zu trinken zu haben oder Zigaretten Kette zu rauchen, als den Zuschauern eine vernünftige Vorführung zu bieten. Auch die Musik war zumeist Disko-tauglich, so dass das ganze einen Hauch von Loveparade hatte.

Da um halb elf ging bereits der letzte Zug nach Barça zurück fuhr, musste ich schon bald aufbrechen ebenso wie alle anderen Leute, die nicht bis zum ersten Zug in der Früh warten wollten.So war der gesamte Bahnsteig in einer Länge von bestimmt 300 Metern komplett überfüllt, und da der Zug auch noch Verspätung hatte, wurde das Gedrängel und die Nervosität mit der Zeit immer größer. Auch weil keinem klar war, ob denn all die vielen Leute (bestimmt über 1000) in die Zugwagons passen würden. Ich hatte dann das Glück, in einem der weniger überfüllten Wagons zu sein, das heißt, ich hatte Platz zum Stehen. Andere Wagons waren so überfüllt, dass das Sicherheitspersonal draußen die Leute umverteilen musste, bis wir abfahren konnten. Nach der Fahrt, die unerwartet ruhig und entspannt verlief, war ich froh, wieder an der frischen Luft zu sein, und nach einem kurzen Spaziergang in mein Bett zu sinken. Für das nächste Mal Sitges hab ich mir fest vorgenommen: Nur mit Freunden und viel Alkohol!

La Grand Rua de Carnaval

Sonntag, 22. Februar 2009

Gestern war der Höhepunkt des Karnevals in Barcelona, die La Grand Rua de Carnaval, also die große Karnevalsparade, die jedes Jahr in einem anderen Stadtteil stattfindet. Dieses Jahr war St.Marti dran, ein Stadtteil im Nordosten von Barcelona. Zwar ist Barcelona nicht gerade als Hochburg des Karnevals bekannt, dafür sind in Katalonien eher Tarragona und vor allem Sitges berühmt, wo ein Höhepunkt die heutige Parade Rua de la Disbauxa, wörtlich die Parade der Gesetzlosigkeit, sein wird. Die Parade Barças dagegen erhält ihren Charme vor allem durch die vielen lateinamerikanischen Einwanderer, die der Parade so einen eigenen Charakter geben. Hier ein paar Eindrücke vom gestrigen Abend:

Jeder Stadtteil liefert einen Beitrag zur Parade, jedoch waren die meisten Beiträge wie dieser hier bolivianisch geprägt, wie man auch an kleinen, in den Nationalfarben von Bolivien – Grün, Gelb, Rot – gehaltenen Details der Kostüme und Auschmückung sehen konnte.

Die anderen Beiträge mussten sich jedoch keineswegs hinter den lateinamerikanischen verstecken, denn auch diese konnten mit prächtigen Kostümen, oder tollen Aufführungen beeindrucken. So etwa eine Nachstellung von Michael Jacksons Musikvideo „Thriller“ mit bestimmt über hundert Zombies, was ich jedoch leider nicht auf Youtube finden konnte. Dafür aber ein Video einer Gruppe mit beeindruckenden Fantasy-Kostümen:

Weiter gab es Disco-Dancer, Ameisen mit LED-Augen, und auch viele Beiträge zur Finanzkrise, so weit reicht man Sprachverständnis dann doch noch. Und auch zwei mutige Breakdancer, die unabhängig von den sonstigen Gruppen eine lustige Clown-Roboter-Dance-Nummer aufgeführt haben. Weitere Videos gibt es auf Youtube, es sind leider zu viele, als dass ich sie alle hier zeigen könnte.