Posts Tagged ‘Besuch’

Von Girona nach Sant Feliu de Guíxols

Sonntag, 5. April 2009

Die letzte Zeit hab wenig geschrieben, da ich noch viel an einem altem Projekt aus meiner Diplomarbeit gearbeitet habe. Ich hole das jetzt aber Stück für Stück nach.

Als Michi zu Besuch war, sind wir dann gemeinsam mit Gabriele und Stefan aus meiner Gruppe, sowie mit Luisa und Frederica, Gabrieles Freundin, zu einer Radtour aufgebrochen. Wir sind bis Girona mit dem Auto gefahren, und haben uns dort sehr gute Trekking-Räder inklusive kompletter Ausrüstung, von Satteltaschen, Helmen, Reparaturset (das wir dann später auch benutzen mussten), Luftpumpen und Hosenklammern, ausgeliehen.
Unsere Tour ging von Girona bis nach Sant Feliu de Guíxols an der Costa Brava entlang eines für spanische Verhältnisse hervorragend ausgebauten Fahrradweges entlang einer alten Eisenbahnstrecke, der Ruta de Carrilet. Jedoch wurder die Schienen schon vor Jahren abmontiert, um eben aus der ungenutzten Bahnstrecke vía verdes, grüne Wege, zu machen. Entlang der Strecke finden sich auch immer wieder alte, restaurierte Stationshäuschen, die sich als eine nette Gelegenheit zum Rasten, oft mit einem Café oder Restaurant, angeboten haben. Die Strecke verlief durch Pinienwälder, Grasweiden, Hügeln mit Korkeichen – oder auch Eukalyptuswäldchen, vorbei an kleinen Dörfern und Kleinstädten, und war die meiste sehr flach, so dass wir sehr gemütlich und ohne all zu große Anstrengung nach ein paar Stunden an unserem Ziel angekommen sind. Am Strand wartete dann eine alte Lok von der Firma Krauss aus München auf uns, und natürlich das Meer.

Calçotada

Freitag, 20. März 2009

So, jetzt erst mal ein paar Beiträge über schönere Dinge, insbesondere über das letzte Wochenende (ja, ich bin etwas in Verzug, was das Schreiben angeht). Letzte Woche am Freitag kam der Michi zu Besuch, der zuvor noch verschiedene andere spanische Städte bereist hatte. Ich konnte mit ihm gleich eine besondere katalanische Tradition erleben, nämlich eine sogenannte Calçotada! Albert aus unserem Institut hatte nämlich herumgefragt, wer denn alles mitkommen möchte, und ich habe den Michi gleich dazu mitgenommen.

Eine Calçotada ist ein katalanisches Festmahl, wobei es wohl eher einer Schlacht gleichkommt. Calçots sind eine Variante der Lauchzwiebel, die laut den Einheimischen nur hier in Katalonien wächst. Diese werden dann gegrillt, bis sie außen völlig verkohlt sind. Wenn man aber die äußeren Schichten der Calçot geschickt abzieht, sind sie innen dann schön saftig und zart. Und vor allem weniger scharf, wie man es erwarten würde, sondern eher süß. Das Innere tunkt man dann in Unmengen von Romesco-Sauce, und verschlingt es in der Manier eines Schwertschluckers am Stück. Dementsprechend sah dann auch die Schutzausrüstung aus, an jedem Platz gab es einen riesigen Papierlatz sowie Plastikhandschuhe zum Abziehen der Zwiebeln.

Michi mit Latz und Hunger
Michi mit Latz und Hunger

Der Latz war aber nicht nur gut gegen die Romesco-Sauce, sondern auch gegen den Wein. Denn der Wein, natürlich Rotwein, wurde nicht in Gläsern serviert, sondern in sogenannten Porrons, die speziell geformt sind. Von der Form her erinnern sie an eine Gießkanne, und im Prinzip trinkt man auch aus diesen so. Denn das dünne Gießende wird dabei zum Mund geführt, und nun muss man das Gefäß schnell kippen, damit der Strahl in den Mund trifft. Dies erfordet wirklich einiges an Geschick und Übung (natürlich auch nicht zu viel Übung), um dies wirklich zu beherrschen. Aber auch der älteste Katalane in unserer Gruppe musste einmal fürchterlich aufhusten, da er wohl den Strahl dann wohl wortwörtlich in den falschen Hals bekommen hatte. Jedenfalls war das ein Heidenspaß und eine Riesensauerei!

Calçots, Romesco-Sauce und ein Porron voller Wein
Auf den ersten Blick sehen die Calçots nicht besonders lecker aus…

Zu den Calçots gab es dann Pa amb Tomàquet – geröstetes Brot, das mit Tomaten und Knoblauchsoße bestrichen wurde. Eigentlich war ich dann nach zwei Dutzend Calçots schon gut gesättigt, jedoch gab es zu meiner Überraschung noch einen zweiten Gang. Dies ist hier generell so üblich, so gibt es beispielsweise auch in der Mensa zwei Gänge, aber ich hab das noch immer nicht so richtig verinnerlicht. Der zweite Gang waren dann alle mögliche Sorten gegrillten Fleisches von Blutwurst (das gibt es nicht nur in Bayern) über Lammschulter, Hähnchen, Schweinerücken bis zu gegrilltem Hase (mit Kopf) gab es alles Mögliche, dazu Pommes als Beilage.

Die Gruppe beim Festmahl
…aber (fast) alle haben den Hals nicht voll genug kriegen können.

Und als ob das nicht genug gewesen wäre, gab es zum Nachtisch noch Creme Catalan. Das ist im Prinzip das Gleiche wie Creme Brulee, nur mit Zimt statt Vanille. Da musste ich noch zusätzlich zwei halbe Portionen extra vertilgen, da so mancher schon randvoll war und den Nachtisch nicht mehr geschafft hat. Das war ich dann nach über drei Stunden Essen schließlich auch. Dass die Gruppe an diesem Freitag Nachmittag noch viel Produktives zustandegebracht hat, darf durchaus bezweifelt werden.

Besuch

Sonntag, 8. März 2009

Am Faschingsdienstag hat sich mit Louis dann der erste Besuch bei mir blicken lassen. Er war in den vergangenen Wochen wandern auf der Pilgerstrecke von Montpellier nach Santiago de Compostela, und vor dem Rückflug nach Deutschland hat er mir noch einen kurzen Besuch abgestattet. Er kam mittags bei mir an, und nach einer kleinen Stärkung und einem Kaffee sind wir dann zum Park Güell aufgebrochen, um den sonnigen Spätnachmittag mit einem schönen Ausblick über die Stadt genießen zu können.

Ich im Sonnenschein

Das Wetter war wirklich hervorragend (ich war bereits mit meiner Sommerjacke unterwegs, wie man sehen kann), so dass wir uns gemütlich den Park angeschaut haben, und uns auf die Brüstung einer der Brücken des Parkes hingesetzt haben und dort dem Treiben der Papageien in den Bäumen verwundert zugeschaut haben. Dazu haben wir leckeres Keksgebäck genascht, das wir zuvor in einer Bäckerei in Gràcia gekauft hatten.

Louis beim Ausblick über die Stadt

Später sind wir dann den Berg runter nach Gràcia marschiert, und haben dort den Nachmittag in einem Kaffee auf dem Plaça de la Virreina ausklingen lassen. Auf dem Platz steht auch eine brönzerne Statue einer Frau, die jemand für den Karneval mit einer Perücke hübsch verkleidet hatte.

Ich im Sonnenschein

Die Statue scheint wirklich eine wichtige Rolle für das Leben der Leute auf diesem Platz zu spielen. Bei meinen leider unerfolgreichen Recherchen über die Identität der jungen Frau – es ist offensichtlich nicht Maria – bin ich auf einen Blogeintrag mit einem anderen sehr schönen Foto der Statue gestoßen.

Später sind wir dann erst zurück zu mir nach Hause, und dann in eine der baskischen Bars in Born gegangen. Deren Spezialität sind sogenannte Pinchos, eine Variante der Tapas, die auf Weißbrotscheiben serviert und mit Zahnstochern zusammengehalten wird. Am Ende bezahlt man die Anzahl der Zahnstocher auf dem Teller. Von überbackenem Ziegenkäse über verschiedene Varianten und Kombinationen von Meeresfrüchten, Schinken, Hartkäse und Marmeladen gab es noch Fleischbällchen, oder auch nur eine gebratene Wurst. Zum Glück war die Bar abseits all der Touristenströme, die Barcelona auch uím Winter unvermeidlich überziehen, so dass wir am Ende mit Essen und Trinken recht günstig davongekommen sind.

Am nächsten Morgen hab ich dann Louis in der Früh zur Estacio de França gebracht, da er von Barna Sants mit dem Bus zum Flughafen Reus fahren musste. Von dort ging es dann über London nach Salzburg, so dass er erst am Mittwoch in der Früh nach seiner langen Reise in München heimgefunden hatte. Wohl ähnlich müde und abgekämpft, wie die Karnevalsanhänger, die kurz nach unserer Verabschiedung mit dem Zug aus Sitges in den Bahnhof einfuhren.