Archive for the ‘Umland & Ausflüge’ Category

Zum Finger Gottes

Dienstag, 7. April 2009

Am Tag darauf sind Michi und ich dann zum Montserrat aufgebrochen, dem landschaftlichen Höhepunkt in der Region um Barcelona. Der Montserrat ist ein Berg, der plötzlich aus dem Umland auf 1236 Meter aufsteigt, jedoch ist dies nicht das einzig Besondere. Der Montserrat gilt als heiliger Berg bei den Katalanen, und ist ihr berühmtests Wahrzeichen. Warum sonst würden diese sonst ihre Töchter Montserrat (wie die berühmte Opernsängerin) benennen, denn das heißt sowas wie „zersägter Berg“, und so nennt man eigentlich doch kein Mädchen!

Wir sind dann (eigentlich viel zu spät) von daheim aufgebrochen, und mit der Ferrocarrils bis nach Monistrol de Montserrat gefahren. Von dort geht eigentlich eine Zahnradbahn, die Cremallera, direkt zum Kloster, das auf etwa 700 Metern Höhe gebaut ist. Jedoch haben wir uns entschlossen, den Weg zum Kloster trotz der bereits im Frühling schon drückenden Mittagssonne zu Fuß zurückzulegen. Zum Glück ist der Aufsteig nicht besonders schwierig, und tatsächlich kamen wir nach etwa eineinhalb Stunden auf einen der asphaltierten Rundwege, die auf Höhe des Klosters rund um das Bergmassiv herumführen.

Auf einem dieser Wege sind wir zur Kapelle der heiligen Höhle, Santa Cova gewandert, dem legendären Auffindungsort der schwarzen Madonna von Montserrat. Entlang des Weges zur Kapelle gibt es einen Kreuzweg mit wundervollen Kunstwerken verschiedener Künstler, unter ihnen auch Gaudí, die einen immer wieder zum Innehalten und Bewundern verleiten. Die Kapelle schließlich ist um die Höhle gebaut, wobei der Altarraum in die Höhle hineinragt, Die Höhle scheint aber nicht besonders tief zu gehen, es ist wohl eher ein Loch im Fels. Jedoch hat sie eine gewisse sprituelle Atmosphäre, schön und heilig zugleich. Für viele Katalanen ist dies ein Pilgerort und ein Heiligtum, so findet sich auch weiter im Inneren der Kapelle einen Tisch mit zahlreichen Spruchbänder mit Fürbitten für Kranke und Verstorbene.

Im Gegensatz dazu konnten wir feststellen, dass das Kloster selbst eher ein Wallfahrtsort für Touristen, denn dort wimmelte es nur so von ihnen. Wir wollten gerne noch ein bisschen mehr vom Montserrat sehen, aber da es schon später Nachmittag war, haben wir den Anstieg auf den Gipfel sein lassen. Stattdessen sind wir noch den kurzen Weg zum Kreuz Sant Miquel gewandert, von wo aus man eine sehr schöne Aussicht auf das Kloster hat. Jedoch ist es dort oben nicht besonders angenehm, da es sehr windig ist, und nachdem uns der Wind ziemlich durchtgepustet hat, haben wir auch die Segel gestrichen, und haben uns glücklich und müde auf den Heimweg gemacht.

Von Girona nach Sant Feliu de Guíxols

Sonntag, 5. April 2009

Die letzte Zeit hab wenig geschrieben, da ich noch viel an einem altem Projekt aus meiner Diplomarbeit gearbeitet habe. Ich hole das jetzt aber Stück für Stück nach.

Als Michi zu Besuch war, sind wir dann gemeinsam mit Gabriele und Stefan aus meiner Gruppe, sowie mit Luisa und Frederica, Gabrieles Freundin, zu einer Radtour aufgebrochen. Wir sind bis Girona mit dem Auto gefahren, und haben uns dort sehr gute Trekking-Räder inklusive kompletter Ausrüstung, von Satteltaschen, Helmen, Reparaturset (das wir dann später auch benutzen mussten), Luftpumpen und Hosenklammern, ausgeliehen.
Unsere Tour ging von Girona bis nach Sant Feliu de Guíxols an der Costa Brava entlang eines für spanische Verhältnisse hervorragend ausgebauten Fahrradweges entlang einer alten Eisenbahnstrecke, der Ruta de Carrilet. Jedoch wurder die Schienen schon vor Jahren abmontiert, um eben aus der ungenutzten Bahnstrecke vía verdes, grüne Wege, zu machen. Entlang der Strecke finden sich auch immer wieder alte, restaurierte Stationshäuschen, die sich als eine nette Gelegenheit zum Rasten, oft mit einem Café oder Restaurant, angeboten haben. Die Strecke verlief durch Pinienwälder, Grasweiden, Hügeln mit Korkeichen – oder auch Eukalyptuswäldchen, vorbei an kleinen Dörfern und Kleinstädten, und war die meiste sehr flach, so dass wir sehr gemütlich und ohne all zu große Anstrengung nach ein paar Stunden an unserem Ziel angekommen sind. Am Strand wartete dann eine alte Lok von der Firma Krauss aus München auf uns, und natürlich das Meer.

Rua de la Disbauxa in Sitges

Freitag, 27. Februar 2009

Am Sonntag fand die berüchtigte Parade Rua de la Disbauxa in Sitges statt. Mit der Renfe ist Sitges etwa 40 Minuten weit entfernt, und Züge dorthin fahren direkt vor meiner Haustüre los, so dass eigentlich nichts dagegen sprach, sich dorthin auf den Weg zu machen. Da weder aber von den Kollegen noch von meinen beiden holländischen Mitbewohnern mich jemand begleiten wollten, bin ich allein und auch erst abends dorthin aufgebrochen, um mir die Parade anzuschauen. Im Zug war erstaunlich wenig los, und es gab auch sehr wenig verkleidete Karnevalsanhänger, so dass sich während der Fahrt meine Erwartungen schnell abgesenkt hatten.

Aus dem Zug ausgestiegen, hat sich das Bild aber schnell geändert: Viele Menschen, als alles Mögliche und Unmögliche verkleidet, alle auf dem Weg zur Parade. Dies sollte sich jedoch als gar nicht so einfach herausgestellen, da in jedem kleinen Gässchen Absperrungen aufgebaut waren, und Polizisten den Großteil der Innenstadt abgeriegelt hatten. Wir wurden dann vorbei an den unvermeidlichen Ballermann-Bars, aus denen laute, unerträgliche Party-House-Musik dröhnte (da merkt man doch die Abhängigkeit vom Tourismus) zur Strandpromenade geleitet. Jedoch dauerte es noch etliche Minuten, bis sich die Vorhut der Parade durch die schmalen Gassen der Innenstadt schlängelte, und noch länger bis der Rest der Parade folgte.

Die einzelnen Gruppen waren sehr farbenprächtig und ausgefallen gekleidet, jedoch fehlte eine einstudierte Choreographie wie am Samstag zuvor in Barcelona. Ich hatte den Eindruck, dass die Teilnehmer vor allem selbst Spaß haben wollten, und da war es eben mitunter wichtiger, Alkohol zu trinken zu haben oder Zigaretten Kette zu rauchen, als den Zuschauern eine vernünftige Vorführung zu bieten. Auch die Musik war zumeist Disko-tauglich, so dass das ganze einen Hauch von Loveparade hatte.

Da um halb elf ging bereits der letzte Zug nach Barça zurück fuhr, musste ich schon bald aufbrechen ebenso wie alle anderen Leute, die nicht bis zum ersten Zug in der Früh warten wollten.So war der gesamte Bahnsteig in einer Länge von bestimmt 300 Metern komplett überfüllt, und da der Zug auch noch Verspätung hatte, wurde das Gedrängel und die Nervosität mit der Zeit immer größer. Auch weil keinem klar war, ob denn all die vielen Leute (bestimmt über 1000) in die Zugwagons passen würden. Ich hatte dann das Glück, in einem der weniger überfüllten Wagons zu sein, das heißt, ich hatte Platz zum Stehen. Andere Wagons waren so überfüllt, dass das Sicherheitspersonal draußen die Leute umverteilen musste, bis wir abfahren konnten. Nach der Fahrt, die unerwartet ruhig und entspannt verlief, war ich froh, wieder an der frischen Luft zu sein, und nach einem kurzen Spaziergang in mein Bett zu sinken. Für das nächste Mal Sitges hab ich mir fest vorgenommen: Nur mit Freunden und viel Alkohol!